Niederdeutsch 

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Niederdeutsch Leitfaden


Niederdeutsch in der Schule


RdErl. vom 7. Januar 1992 (NBI. MBWJK. Schl.-H. S. 19)
Viele Menschen in Schleswig-Holstein sprechen oder verstehen Niederdeutsch. Das Niederdeutsche, das umgangssprachlich als Plattdeutsch bezeichnet wird, ist ein wichtiger Bestandteil der sprachlichen Lebenswelt vieler Schülerinnen und Schüler. Vor allem aber ist es Teil der Kultur des norddeutschen Raums.
In den letzten Jahren ist die Überlieferung des Niederdeutschen als lebendige Sprache des Alltags in der Region akut gefährdet. Der Rückgang der niederdeutschen Sprache und der Verlust der mit dem Niederdeutschen verbundenen Kultur in Literatur Geschichte, Brauchtum und Umgangsformen betrifft alle Menschen in Schleswig-Holstein, gleich, ob sie niederdeutsch sprechen und verstehen können oder nicht. Damit ginge Schülerinnen und Schülern eine Möglichkeit verloren, sich in ihrer schleswig-holsteinischen Heimat zu orientieren.
Aus dieser Situation erwächst der Schule eine erhöhte Verantwortung für dieses Kulturgut. Verbindliche Aufgabe der Schule ist es daher, in den dafür geeigneten Fächern Kenntnisse über niederdeutsche Literatur und Sprache zu vermitteln und die durch das Niederdeutsche geprägten Lebensbereiche in den Unterricht einzubeziehen.
Daneben soll die Schule die Fähigkeit, niederdeutsch zu sprechen, fördern und zum Gebrauch der niederdeutschen Sprache ermuntern: Hierfür bieten sich insbesondere Arbeitsgemeinschaften an.
Für eine Beschäftigung mit dem Niederdeutschen im Unterricht spricht weiterhin: Kenntnisse in der niederdeutschen Sprache erweitern das Sprachvermögen. Gerade im Vergleich zum Hochdeutschen kann sich die Fähigkeit entwickeln, einfache, überschaubare Sätze zu bilden und anschauliche und gegenständliche Wörter zu wählen. Kenntnisse des Niederdeutschen erleichtern den Zugang zu anderen Sprachen, wie z. B. dem Englischen. Sie vertiefen das Verständnis für die heimatliche Geschichte und Kultur.
Niederdeutsch kann und soll nicht als eigenes Fach oder mit einem Stundenanteil in der Stundentafel ausgewiesen werden. Die durch das Niederdeutsche geprägte Kultur muß durchgängiges Unterrichtsprinzip in schleswig-holsteinischen Schulen werden. Daneben besteht auch die Möglichkeit, Arbeitsgemeinschaften einzurichten.
Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Lehrerinnen und Lehrern aus Schulen und Hochschulen und aus Personen, die sich in besonderer Weise in Schleswig-Holstein für die Pflege und Erhaltung der niederdeutschen Sprache und des niederdeutschen Kulturguts einsetzen, soll dafür sowie für die Lehrerbildung und Lehrerfortbildung Vorschläge erarbeiten.

Für die Beschäftigung mit dem Niederdeutschen bieten sich in der Schule bereits jetzt vielfältige Möglichkeiten. Besonders im Fach Deutsch soll das Niederdeutsche in den Unterricht einbezogen werden. Je nach Schulform und Altersstufe sind klassische und moderne niederdeutsche Texte zu lesen, und die Eigenart dieser Literatur ist zu erarbeiten. Hierbei sollte heitere und ernste Literatur gleichermaßen berücksichtigt werden. Ein Vergleich der verschiedenen landschaftlichen Ausprägungen des Niederdeutschen, seiner vielfältigen Unterschiede in Wortwahl und Klang kann Schülerinnen und Schüler hinführen zur Toleranz gegenüber andersdenkenden und anderssprechenden Menschen. Bei der Behandlung bestimmter heimatkundlicher und regionalgeschichtlicher Themen im Heimat- und Sachunterricht wie in den Fächern Erdkunde und Geschichte bietet sich dafür das Niederdeutsche in Verbindung mit verschiedenen Unterrichtsgegenständen an. Auch in anderen Fächern kann Niederdeutsch zwanglos in den Unterricht einbezogen werden. So können z. B. im Musikunterricht niederdeutsche Lieder, Singspiele und Tänze den Unterricht beleben.
In Arbeitsgemeinschaften können Schülerinnen und Schüler niederdeutsche Spielszenen und Spiele einüben und aufführen, Hörspiele gestalten und zeitgemäße, wohnortnahe Themen in niederdeutscher Sprache aufbereiten. Veranstaltungen der Schule sollten durch niederdeutsche Beiträge bereichert werden. Die sprachliche Umwelt selbst kann Unterrichtsgegenstand sein, z. B. in der Fragestellung "Wer spricht wann mit wem worüber plattdeutsch?" Ebenso können niederdeutsche Sendungen in Funk und Fernsehen sowie Beiträge in Zeitungen untersucht werden.
Den Schulen wird ausdrücklich empfohlen, mit Schülergruppen an außerschulischen Veranstaltungen, bei denen das Niederdeutsche gepflegt wird (z. B. Lesewettbewerbe, Heimattage, Nachbarschaftsfeste, Theateraufführungen) teilzunehmen und sie mit eigenen Beiträgen auszugestalten. Es ist ebenfalls förderlich, niederdeutsch sprechende Personen aus dem öffentlichen Leben in die Schule zu holen.
In die Bücherei einer jeden Schule gehört eine Auswahl geeigneter niederdeutscher Literatur. Jede Schule sollte mit einigen Klassensätzen jugendgerechter Lesestoffe ausgerüstet sein. Die Verwendung von Tonträgern ist für die Vermittlung des Sprachklanges besonders hilfreich. Das IPTS wird entsprechende Empfehlungen für Literatur und Tonmaterialien veröffentlichen.


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Paragraf – Schulrecht für Schleswig-Holstein